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05.08.2010 Wanfried

Im Focus des Bundesbauministeriums

Stadt Wanfried erhält Unterstützung aus Berlin  

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In Augenschein genommen und für „sehr gut“ befunden, so lautet das Resümee des Besuchs von Oda Scheibelhuber in Wanfried. Die Leiterin der Abteilung „Stadtentwicklung, Raumordnung, Wohnen, öffentliches Baurecht“ im Bundes-ministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung kam Ende Juli auf Einladung von Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU) in die Brombeermannstadt, die seit Monaten bundes-weit immer wieder als positives Beispiel im Kampf gegen den demografischen Wandel genannt wird. So bemüht sich hier eine ehrenamtliche Bürgergruppe um den Erhalt Wanfrieder Häuser und vermarktet der 34-jährige Bürgermeister leerstehende Häuser mitsamt den Alleinstellungsmerkmalen einer reizvoll gelegenen Kleinstadt am Werrafluss. Bürger, Verwaltung und Ministerien arbeiten also Hand in Hand.
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Bürgermeister Wilhelm Gebhard erläutert Oda Scheibelhuber und Marie-Luise Handrup die Situation der Wanfrieder Fachwerkhäuser. (Bild: Wetzestein)

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Jürgen Rödiger, Peter Geerk und Horst Sieland von der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser und Bürgermeister Wilhelm Gebhard hatten zur gemeinsamen Exkursion geladen. Vorbei an Fachwerkhäusern und dem historischen Hafen folgte eine Ortsbesichtigung am Fachwerkmusterhaus. Mit dabei waren auch Dr. Oliver Weigel, zuständiger Referatsleiter Stadtentwicklungspolitik aus dem Bundesverkehrsministerium und Marieluise Handrup von der BIG-Städtebau GmbH, dem für Wanfried zuständigen Stadtumbauträger. Oda Scheibelhuber lobte das „außergewöhnliche bürgerschaftliche Engagement und die gute Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und den zuständigen Stellen des Bund-Länder-Programms „Stadtum-bau in Hessen“. Sie sagte „finanzielle und ideelle“ Unter-stützung zu.

„Ich bin von Wanfried und den Initiativen hier begeistert. Die Stadt ist für mein Haus ein wichtiger Partner“, so Oda Scheibelhuber bei ihrem Besuch im Rathaus. Jetzt wolle auch Berlin die „langsam gewachsene und bestens organisierte Arbeit in Wanfried“ weiter voranbringen. „Unser Ziel ist es, derartig gut durchdachte Projekte zu unterstützen. So können Steuergelder effizienter eingesetzt und Bürger und Wirtschaft für Aufgaben der Stadtentwicklung gewonnen werden“, sagte Scheibelhuber. Dr. Weigel ergänzte: „Im Rahmen der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik haben wir, gemeinsam mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden, vor allem den Wissensaustausch und Informationstransfer für innovative Lösungen der Stadtentwicklungspolitik im Blick“. Im Falle Wanfrieds könne er sich einen professionellen Internetauftritt für die Bürgergruppe und die Erstellung von Informationsmaterial vorstellen. „Damit könnte die Arbeit der Gruppe, deren Konzept und Erfahrung für andere Kommunen und Projekte auch bundesweit abgerufen werden“, so Dr. Weigel.

Schließlich hat Wanfried bereits Erfolge vorzuweisen: "Sechs Häuser wurden an holländische Familien verkauft, zwei an Familien aus Deutschland", so Bürgermeister Gebhard. Zudem gäbe es eine „Rückbesinnung“ der Bürger auf die Fachwerksubstanz. Ortsfremde Interessenten werden rund um die Uhr betreut. Man unterstützt sie auch bei Verhandlungen mit Ämtern, Banken und Handwerkern. „Bauaufsicht und Bauberatung sind selbstverständlich“, so Jürgen Rödiger gegenüber einer staunenden Oda Scheibelhuber. Aber das seien Fakten und „nicht etwa die versteckten Dreharbeiten zu einem Rosamunde Pilcher Film“, sagte Marieluise Handrup. Sie arbeitet mit Bürgergruppe und Bürgermeister bereits seit 2008 zusammen und berät in Fragen der Fördermöglichkeiten. „Flexibel und fachlich fundiert“ beschrieb sie deren Arbeit. „Sie wollen etwas für den Ort erreichen“, so Handrup. Von derlei Initiativen könnte auch er Staat selbst profitieren. Marieluise Handrup bat in diesem Zusammenhang um einen Hinweis aus dem Bundesministerium, wie die Fördermittel aus verschiedenen Programmen, etwa dem Stadtumbau West und der jetzt neuen Förderung für kleinere Städte und Gemeinden, flexibel gehandhabt und besser eingesetzt werden können. Scheibelhuber und Weigel signalisierten, dass sich ihr Ministerium mit dieser Frage auseinandersetzten werde
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Oda Scheibelhuber (2.v.r. - Leiterin der Abteilung "Stadtentwicklung, Raumordnung, Wohnen, öffentliches Baurecht" im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in Berlin und Dr. Oliver Weigel (4.v.l. - Referatsleiter Stadtentwicklungspolitik aus dem Bundes-ministerium) erhalten Informationen über das geplante Fachwerk-musterhaus aus erster Hand.
Im Bild v.l.n.r. Peter Geerk, Marie-Luise Handrup (BIG-Städtebau Berlin), Jürgen Rödiger, Horst Sieland, Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Christoph Hoffmann (Stadtverwaltung) (Bild: Wetzestein)

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Am Beispiel des Fachwerkmusterhauses wurde der Berliner Abordnung der „tatsächliche Wert“ der Bürgergruppe deutlich. Da Fördermittel aus dem gescheiterten Projekt einer Nachbarkommune frei wurden, kann das Musterhaus in Wanfried realisiert werden. „Nur Wanfried sah sich in der Lage, die Fördermittel abzurufen, die bis Ende Dezember abgerechnet sein müssen“, erklärte Marieluise Handrup.

 

Auch die Stadtverordnetenversammlung baut auf die ehrenamtlichen Leistungen der Bürgergruppe. „Sie behalten die Bauarbeiten und Termine im Blick, ermöglichen eine schnelle Umsetzung aller Maßnahmen“, so der Bürgermeister. „Hersteller von Baumaterialien wurden von der Gruppe angeschrieben und um Unterstützung gebeten“, so Gebhard weiter. „Handwerker arbeiten teilweise zum Selbstkostenpreis“, sagte der zuständige Architekt Horst Sieland. Fazit: Für das Projekt wurden 250.000 Euro Förderung angemeldet. Davon sollen aber lediglich 180.000 Euro abgerufen werden, das kostet der Stadtkasse bei einer Förderung von 26,84 Prozent etwa 48.000 Euro. Die Stadt Wanfried freut sich über die vielfältige Unterstützung. Allein hätte sie dies nicht leisten können.

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Architekt Horst Sieland erläutert Dr. Oliver Weigel und Oda Scheibelhuber die weiteren Schritte beim Umbau des Fachwerk-musterhauses. (Bild: Wetzestein)

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Ein Projekt werde hier „durch Eigenleistung, Ideen und Zusammenarbeit“ realisiert, das zeige den „richtigen Ansatz aus der Bürgerschaft“, so Scheibelhuber. Das Schiff fährt in die richtige Richtung, jetzt soll auch Rückenwind aus Berlin hinzukommen.

Nachdem der Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, Prof. Weiß, die Stadt Wanfried aufgrund der beispielhaften Initiativen erst kürzlich zur Modellstadt „erhoben“ hat, ist die Unterstützung aus Berlin ein weiterer großer Erfolg für die Bürgergruppe und die Brombeermannstadt. „Die über-regionalen Auszeichnungen und Würdigungen sind das Ergebnis unserer harten Arbeit. Sie werden den Bekannt-heitsgrad Wanfrieds in der Bundesrepublik deutlich steigern. Positive Nebeneffekte sind zu erwarten“, resümiert ein sichtlich zufriedener Bürgermeister.

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