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In Augenschein genommen und für „sehr gut“
befunden, so lautet das Resümee des Besuchs von Oda
Scheibelhuber in Wanfried. Die Leiterin der Abteilung
„Stadtentwicklung, Raumordnung, Wohnen, öffentliches
Baurecht“ im Bundes-ministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung kam Ende Juli auf Einladung von
Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU) in die
Brombeermannstadt, die seit Monaten bundes-weit immer wieder
als positives Beispiel im Kampf gegen den demografischen
Wandel genannt wird. So bemüht sich hier eine ehrenamtliche
Bürgergruppe um den Erhalt Wanfrieder Häuser und vermarktet
der 34-jährige Bürgermeister leerstehende Häuser mitsamt den
Alleinstellungsmerkmalen einer reizvoll gelegenen Kleinstadt
am Werrafluss. Bürger, Verwaltung und Ministerien arbeiten
also Hand in Hand.
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Bürgermeister Wilhelm Gebhard erläutert Oda
Scheibelhuber und Marie-Luise Handrup die Situation der
Wanfrieder Fachwerkhäuser. (Bild: Wetzestein)
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Jürgen Rödiger, Peter Geerk und Horst Sieland
von der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser und
Bürgermeister Wilhelm Gebhard hatten zur gemeinsamen
Exkursion geladen. Vorbei an Fachwerkhäusern und dem
historischen Hafen folgte eine Ortsbesichtigung am
Fachwerkmusterhaus. Mit dabei waren auch Dr. Oliver Weigel,
zuständiger Referatsleiter Stadtentwicklungspolitik aus dem
Bundesverkehrsministerium und Marieluise Handrup von der
BIG-Städtebau GmbH, dem für Wanfried
zuständigen Stadtumbauträger. Oda Scheibelhuber lobte das
„außergewöhnliche bürgerschaftliche Engagement und die gute
Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und den zuständigen
Stellen des Bund-Länder-Programms „Stadtum-bau in Hessen“.
Sie sagte „finanzielle und ideelle“ Unter-stützung zu.
„Ich bin von Wanfried und den Initiativen hier begeistert.
Die Stadt ist für mein Haus ein wichtiger Partner“, so Oda
Scheibelhuber bei ihrem Besuch im Rathaus. Jetzt wolle auch
Berlin die „langsam gewachsene und bestens organisierte
Arbeit in Wanfried“ weiter voranbringen. „Unser Ziel ist es,
derartig gut durchdachte Projekte zu unterstützen. So können
Steuergelder effizienter eingesetzt und Bürger und
Wirtschaft für Aufgaben der Stadtentwicklung gewonnen
werden“, sagte Scheibelhuber. Dr. Weigel ergänzte: „Im
Rahmen der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik
haben wir, gemeinsam mit den Ländern und den kommunalen
Spitzenverbänden, vor allem den Wissensaustausch und
Informationstransfer für innovative Lösungen der
Stadtentwicklungspolitik im Blick“. Im Falle Wanfrieds könne
er sich einen professionellen Internetauftritt für die
Bürgergruppe und die Erstellung von Informationsmaterial
vorstellen. „Damit könnte die Arbeit der Gruppe, deren
Konzept und Erfahrung für andere Kommunen und Projekte auch
bundesweit abgerufen werden“, so Dr. Weigel.
Schließlich hat Wanfried bereits Erfolge vorzuweisen: "Sechs
Häuser wurden an holländische Familien verkauft, zwei an
Familien aus Deutschland", so Bürgermeister Gebhard. Zudem
gäbe es eine „Rückbesinnung“ der Bürger auf die
Fachwerksubstanz. Ortsfremde Interessenten werden rund um
die Uhr betreut. Man unterstützt sie auch bei Verhandlungen mit Ämtern, Banken und
Handwerkern. „Bauaufsicht und
Bauberatung sind selbstverständlich“, so Jürgen Rödiger
gegenüber einer staunenden Oda Scheibelhuber. Aber das seien
Fakten und „nicht etwa die versteckten Dreharbeiten zu einem
Rosamunde Pilcher Film“, sagte Marieluise Handrup. Sie
arbeitet mit Bürgergruppe und Bürgermeister bereits seit
2008 zusammen und berät in Fragen der Fördermöglichkeiten.
„Flexibel und fachlich fundiert“ beschrieb sie deren Arbeit.
„Sie wollen etwas für den Ort erreichen“, so Handrup. Von
derlei Initiativen könnte auch er Staat selbst profitieren.
Marieluise Handrup bat in diesem Zusammenhang um einen
Hinweis aus dem Bundesministerium, wie die Fördermittel aus
verschiedenen Programmen, etwa dem Stadtumbau West und der
jetzt neuen Förderung für kleinere Städte und Gemeinden,
flexibel gehandhabt und besser eingesetzt werden können. Scheibelhuber und Weigel signalisierten, dass sich ihr
Ministerium mit dieser Frage auseinandersetzten werde.
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Oda Scheibelhuber (2.v.r. - Leiterin der
Abteilung "Stadtentwicklung, Raumordnung, Wohnen, öffentliches
Baurecht" im Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung in Berlin und Dr. Oliver Weigel (4.v.l. -
Referatsleiter Stadtentwicklungspolitik aus dem
Bundes-ministerium) erhalten Informationen über das geplante
Fachwerk-musterhaus aus erster Hand.
Im Bild v.l.n.r. Peter Geerk, Marie-Luise Handrup
(BIG-Städtebau Berlin), Jürgen Rödiger, Horst Sieland,
Bürgermeister Wilhelm Gebhard, Christoph Hoffmann
(Stadtverwaltung) (Bild: Wetzestein)
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Am Beispiel des Fachwerkmusterhauses wurde
der Berliner Abordnung der „tatsächliche Wert“ der
Bürgergruppe deutlich. Da Fördermittel aus dem gescheiterten
Projekt einer Nachbarkommune frei wurden, kann das
Musterhaus in Wanfried realisiert werden. „Nur Wanfried sah
sich in der Lage, die Fördermittel abzurufen, die bis Ende
Dezember abgerechnet sein müssen“, erklärte Marieluise
Handrup.
Auch die Stadtverordnetenversammlung baut auf
die ehrenamtlichen Leistungen der Bürgergruppe. „Sie
behalten die Bauarbeiten und Termine im Blick, ermöglichen
eine schnelle Umsetzung aller Maßnahmen“, so der
Bürgermeister. „Hersteller von Baumaterialien wurden von der
Gruppe angeschrieben und um Unterstützung gebeten“, so
Gebhard weiter. „Handwerker arbeiten teilweise zum
Selbstkostenpreis“, sagte der zuständige Architekt Horst
Sieland. Fazit: Für das Projekt wurden 250.000 Euro
Förderung angemeldet. Davon sollen aber lediglich 180.000
Euro abgerufen werden, das kostet der Stadtkasse bei einer
Förderung von 26,84 Prozent etwa 48.000 Euro. Die Stadt
Wanfried freut sich über die vielfältige Unterstützung.
Allein hätte sie dies nicht leisten können.
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Architekt Horst Sieland erläutert Dr. Oliver
Weigel und Oda Scheibelhuber die weiteren Schritte beim Umbau
des Fachwerk-musterhauses. (Bild: Wetzestein)
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Ein Projekt werde hier „durch Eigenleistung,
Ideen und Zusammenarbeit“ realisiert, das zeige den
„richtigen Ansatz aus der Bürgerschaft“, so Scheibelhuber.
Das Schiff fährt in die richtige Richtung, jetzt soll auch
Rückenwind aus Berlin hinzukommen.
Nachdem der Leiter des Landesamts für
Denkmalpflege, Prof. Weiß, die Stadt Wanfried aufgrund der
beispielhaften Initiativen erst kürzlich zur Modellstadt
„erhoben“ hat, ist die Unterstützung aus Berlin ein weiterer
großer Erfolg für die Bürgergruppe und die
Brombeermannstadt. „Die über-regionalen Auszeichnungen und
Würdigungen sind das Ergebnis unserer harten Arbeit. Sie
werden den Bekannt-heitsgrad Wanfrieds in der Bundesrepublik
deutlich steigern. Positive Nebeneffekte sind zu erwarten“,
resümiert ein sichtlich zufriedener Bürgermeister.
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