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Ein schmuckes Fachwerkhaus soll es werden. Das
„Ständersche Haus“ in der geschichtsträchtigen Straße „Auf der
Börse“. Eine Förderung des Landes Hessen aus dem Programm
„Stadtumbaugebiet West“ in Höhe von 73,16 Prozent macht das im
Werra-Meißner-Kreis einmalige Projekt möglich. „Hier sind
circa 400.000 Euro aus einem Bewilligungsbescheid von 2005
noch frei, da das Projekt Obermühle Reichensachsen nicht
umgesetzt wird“, so Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU).
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Vertreter der Bürgergruppe für
den Erhalt der Wanfrieder Häuser vor dem "Ständerschen Haus".
Es soll zum Musterhaus umgebaut werden.
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Im Februar gab es eine Sitzung der Kommunalen
Arbeitsgemeinschaft KAG mit Bürgermeistern aus Berkatal, Bad
Sooden-Allendorf, Meinhard, Meißner, Wehretal, Weißenborn und
Eschwege über die Verwendung des Geldes. Bürgermeister Gebhard
machte den Vorschlag, ein Musterhaus Wohnen in Wanfried zu
realisieren. „Ursprünglich war es eine Eschweger Idee“, so
Gebhard. Der Haken: Die Baumaßnahmen müssen bis Dezember
abgeschlossen und abgerechnet sein. „Wir haben die
Bürgergruppe und ein Vermarktungskonzept. Das Musterhaus
gehört nach Wanfried“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard.
Der Vorschlag des Stadtoberhauptes auf Errichtung eines
Musterhauses in Wanfried stieß bei der Bürgergruppe sofort auf
fruchtbaren Boden. „Alle in der Bürgergruppe teilten meine
Begeisterung für das Projekt,“ zeigte sich Gebhard sichtlich
zufrieden mit der Reaktion der Gruppenmitglieder.
Dass das Projekt gut nach Wanfried passt, meint auch
Marieluise Handrup von der BIG Städtebau AG aus Berlin, die
die acht Kommunen beim Programm Stadtumbau West begleitet und
fachmännisch berät. „Der Charme dieses Projektes liegt in der
Mitarbeit der Bürgergruppe“, so Handrup.
Die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser machte
schnell ein Objekt für ein Musterhaus ausfindig. Das
Ständersche Haus mit 120 Quadratmetern umbautem Raum und
vielen kleinen Zimmern sei perfekt geeignet. Hier könnten
praktische Beispiele der Fachwerksanierung gezeigt werden,
argumentierten die Architekten Horst Sieland, Dieter Böttcher
und Peter Geerk von der Bürgergruppe. Ein Beratungszentrum für
Fachwerk-Sanierung könnte entstehen, in dem verschiedene
Techniken, Ausführungen und Kostenpläne für den Fachwerkbau
dargestellt werden. Sanierungsschritte sollen detailliert
beschrieben und beziffert werden. „Dann kann sich jeder
Besucher dieses Musterhauses ein Bild davon machen, was er den
Handwerkern in Auftrag geben oder was er vielleicht sogar
selbst machen kann“, so Peter Geerk.
Eine „handfeste“ Konzeption für den Förderantrag wurde
kurzfristig von der Bürgergruppe in Zusammenarbeit mit der
Stadtverwaltung erarbeitet. Die Kostenschätzung für die
Umsetzung ergab eine Gesamtsumme von 240.000 Euro. Hier stieß
Bürgermeister Gebhard allerdings auf Gegenwehr innerhalb des
Haupt- und Finanzausschusses. Nach einer Ortsbegehung und der
anschließenden Stadtverordneten-versammlung einigte man sich
dann mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung seitens der
SPD auf 180.000 Euro. Der nun beschlossene Förderantrag
bedeutet für die Stadt einen Eigenanteil von 44.640 Euro.
Bei allen Fraktionen herrsche Einigkeit darüber, dass die Bau-
und Baukostenüberwachung von der Bürgergruppe übernommen
werden und das Parlament regelmäßig darüber informiert werden
soll.
Ilse von Scharfenberg (CDU) wies darauf hin, dass es bei den
Wanfrieder Handwerkern zu diesem Thema bereits „ausnehmend
positive Signale“ gegeben habe. Immerhin muss dieses Projekt
in kürzester Zeit und während der Hochsaison im Bauhandwerk
realisiert werden, so von Scharfenberg. Die Vorarbeit der
Bürgergruppe sei hier „Gold wert“. Ziel muss es sein, die
Kosten für die Stadt bei einer sinnvollen Umsetzung des
Projektes so gering wie möglich zu halten. "Dies ist unsere
Verantwortung als Parlamentarier", so die
CDU-Fraktionsvorsitzende. Sie hält allerdings einen
Förderantrag der höheren Baukostensumme für richtig, da es
eine Nachbewilligung der Fördersumme nicht gäbe.
Einen Antrag, die Kosten pro Quadratmeter von 1.500 Euro nicht
zu überschreiten, brachte Erhard Niklass für die FDP ein. Bei
Mehrkosten soll über deren Genehmigung entschieden werden.
Grundsätzlich sei auch die FDP für die Umsetzung dieses
Projektes, da es sich in das von Bürgermeister Gebhard
initiierte Vermarktungskonzept einreihe. Er lobte in diesem
Zusammenhang ausdrücklich die geleistete Arbeit des
Bürgermeisters als in der Vergangenheit „einmalig“.
Bürgermeister Gebhard ist zufrieden mit dem beinahe
einstimmigen Votum der Stadtverordneten, zeige es doch, dass
seine Idee richtig war und das Projekt überzeugt. Sollten die
Kosten 180.000 € übersteigen, werden die politischen Gremien
nachlegen müssen. Dieses Signal hat der Magistrat von allen
Seiten erhalten. Jetzt kommt viel Arbeit auf die Verwaltung,
den Architekten, die Bürgergruppe und auf die noch zu
beauftragenden Handwerker zu, will man das ehrgeizige Projekt
bis zum Jahresende umsetzen. Ist es aber dann einmal fertig,
steht Wanfried und dem Werra-Meißner-Kreis ein einzigartiges
Anschauungsobjekt zur Verfügung, um noch mehr
Fachwerkinteressierten eindrucksvoll zu veranschaulichen, was
man aus Fachwerk machen kann. “Dies ist ein weiterer
Mosaikstein in meiner Vermarktungsstrategie“, sagte Gebhard
abschließend.

Lars Winter: Auf ein paar Worte...
Musterhaus auch
Musterbeispiel

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Man muss auch mal Glück haben. Man - das sind
in diesem Fall die Wanfrieder und ihre Bürgergruppe zum Erhalt
alter Häuser.
Denn die profitierte vom Reichensächser Scheitern der
Obermühle und davon, dass Eschwege zwar die Idee für ein
Musterhaus hatte, aber dann doch nicht wollte.
In Wanfried zeigt sich, dass alle dieses Haus wollen,
parteiübergreifend, zum Wohle der Stadt, ihrer Bürger und
nicht zuletzt der heimischen Handwerker. Denn die werden
richtig heiß sein auf die Ausschreibung des Projekts, was sich
positiv auf die Gesamtkosten und damit auch auf die Belastung
der Stadtkasse bemerkbar machen dürfte. Denn mehr Werbung in
eigener Sache kann ein Handwerker nicht machen, als an der
Fertigstellung des bisher einzigen Musterhauses im Kreis
beteiligt zu sein.
Forsch forderte Gebhard in der ,Bürgermeister-Runde' "Wir
haben die Bürgergruppe und ein Konzept, das Haus gehört nach
Wanfried". Ohne die freigewordenen Fördergelder der Obermühle
hätte er diesen Vorstoß nicht gewagt, aber Kistners Pech in
Reichensachsen, der sich vehement für das Projekt Obermühle
einsetzte, ist jetzt das Glück seines Wanfrieder Amtskollegen.
Alles nur am Glück fest zu machen, wird der Sache aber nicht
gerecht. Denn in erster Linie wird das Musterhaus durch das
vorbildhafte, ehrenamtliche Engagement der Bürgergruppe und
Gebhards Vermarktungsstrategie möglich. Daher war Gebhards
Forderung, das Haus nach Wanfried zu holen, nur ein weiterer
Baustein der Wanfrieder Häuserver-marktung.
Selbstbewusstses Auftreten gehört eben dazu, wenn man vorwärts
kommen will. Daher ist das Musterhaus auch ein Musterbeispiel,
wie es gehen kann, wenn sich Bürger engagieren und einbringen
in ihrer Stadt. Dann darf man auch mal Glück haben - in diesem
Fall das Glück der Tüchtigen.
Quelle: Marktspiegel vom 05.05.2009 Lars WINTER |