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06.05.2010 Wanfried

Wanfried erhält Musterhaus

Bürgermeister Gebhard hatte den richtigen Einfall

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Ein schmuckes Fachwerkhaus soll es werden. Das „Ständersche Haus“ in der geschichtsträchtigen Straße „Auf der Börse“. Eine Förderung des Landes Hessen aus dem Programm „Stadtumbaugebiet West“ in Höhe von 73,16 Prozent macht das im Werra-Meißner-Kreis einmalige Projekt möglich. „Hier sind circa 400.000 Euro aus einem Bewilligungsbescheid von 2005 noch frei, da das Projekt Obermühle Reichensachsen nicht umgesetzt wird“, so Bürgermeister Wilhelm Gebhard (CDU).
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Vertreter der Bürgergruppe für den Erhalt der Wanfrieder Häuser vor dem "Ständerschen Haus". Es soll zum Musterhaus umgebaut werden.

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Im Februar gab es eine Sitzung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft KAG mit Bürgermeistern aus Berkatal, Bad Sooden-Allendorf, Meinhard, Meißner, Wehretal, Weißenborn und Eschwege über die Verwendung des Geldes. Bürgermeister Gebhard machte den Vorschlag, ein Musterhaus Wohnen in Wanfried zu realisieren. „Ursprünglich war es eine Eschweger Idee“, so Gebhard. Der Haken: Die Baumaßnahmen müssen bis Dezember abgeschlossen und abgerechnet sein. „Wir haben die Bürgergruppe und ein Vermarktungskonzept. Das Musterhaus gehört nach Wanfried“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard. Der Vorschlag des Stadtoberhauptes auf Errichtung eines Musterhauses in Wanfried stieß bei der Bürgergruppe sofort auf fruchtbaren Boden. „Alle in der Bürgergruppe teilten meine Begeisterung für das Projekt,“ zeigte sich Gebhard sichtlich zufrieden mit der Reaktion der Gruppenmitglieder.
Dass das Projekt gut nach Wanfried passt, meint auch Marieluise Handrup von der BIG Städtebau AG aus Berlin, die die acht Kommunen beim Programm Stadtumbau West begleitet und fachmännisch berät. „Der Charme dieses Projektes liegt in der Mitarbeit der Bürgergruppe“, so Handrup.

Die Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser machte schnell ein Objekt für ein Musterhaus ausfindig. Das Ständersche Haus mit 120 Quadratmetern umbautem Raum und vielen kleinen Zimmern sei perfekt geeignet. Hier könnten praktische Beispiele der Fachwerksanierung gezeigt werden, argumentierten die Architekten Horst Sieland, Dieter Böttcher und Peter Geerk von der Bürgergruppe. Ein Beratungszentrum für Fachwerk-Sanierung könnte entstehen, in dem verschiedene Techniken, Ausführungen und Kostenpläne für den Fachwerkbau dargestellt werden. Sanierungsschritte sollen detailliert beschrieben und beziffert werden. „Dann kann sich jeder Besucher dieses Musterhauses ein Bild davon machen, was er den Handwerkern in Auftrag geben oder was er vielleicht sogar selbst machen kann“, so Peter Geerk.

Eine „handfeste“ Konzeption für den Förderantrag wurde kurzfristig von der Bürgergruppe in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung erarbeitet. Die Kostenschätzung für die Umsetzung ergab eine Gesamtsumme von 240.000 Euro. Hier stieß Bürgermeister Gebhard allerdings auf Gegenwehr innerhalb des Haupt- und Finanzausschusses. Nach einer Ortsbegehung und der anschließenden Stadtverordneten-versammlung einigte man sich dann mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung seitens der SPD auf 180.000 Euro. Der nun beschlossene Förderantrag bedeutet für die Stadt einen Eigenanteil von 44.640 Euro.

Bei allen Fraktionen herrsche Einigkeit darüber, dass die Bau- und Baukostenüberwachung von der Bürgergruppe übernommen werden und das Parlament regelmäßig darüber informiert werden soll.

Ilse von Scharfenberg (CDU) wies darauf hin, dass es bei den Wanfrieder Handwerkern zu diesem Thema bereits „ausnehmend positive Signale“ gegeben habe. Immerhin muss dieses Projekt in kürzester Zeit und während der Hochsaison im Bauhandwerk realisiert werden, so von Scharfenberg. Die Vorarbeit der Bürgergruppe sei hier „Gold wert“. Ziel muss es sein, die Kosten für die Stadt bei einer sinnvollen Umsetzung des Projektes so gering wie möglich zu halten. "Dies ist unsere Verantwortung als Parlamentarier", so die CDU-Fraktionsvorsitzende. Sie hält allerdings einen Förderantrag der höheren Baukostensumme für richtig, da es eine Nachbewilligung der Fördersumme nicht gäbe.

Einen Antrag, die Kosten pro Quadratmeter von 1.500 Euro nicht zu überschreiten, brachte Erhard Niklass für die FDP ein. Bei Mehrkosten soll über deren Genehmigung entschieden werden. Grundsätzlich sei auch die FDP für die Umsetzung dieses Projektes, da es sich in das von Bürgermeister Gebhard initiierte Vermarktungskonzept einreihe. Er lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die geleistete Arbeit des Bürgermeisters als in der Vergangenheit „einmalig“.

Bürgermeister Gebhard ist zufrieden mit dem beinahe einstimmigen Votum der Stadtverordneten, zeige es doch, dass seine Idee richtig war und das Projekt überzeugt. Sollten die Kosten 180.000 € übersteigen, werden die politischen Gremien nachlegen müssen. Dieses Signal hat der Magistrat von allen Seiten erhalten. Jetzt kommt viel Arbeit auf die Verwaltung, den Architekten, die Bürgergruppe und auf die noch zu beauftragenden Handwerker zu, will man das ehrgeizige Projekt bis zum Jahresende umsetzen. Ist es aber dann einmal fertig, steht Wanfried und dem Werra-Meißner-Kreis ein einzigartiges Anschauungsobjekt zur Verfügung, um noch mehr Fachwerkinteressierten eindrucksvoll zu veranschaulichen, was man aus Fachwerk machen kann. “Dies ist ein weiterer Mosaikstein in meiner Vermarktungsstrategie“, sagte Gebhard abschließend.

 

 

Lars Winter: Auf ein paar Worte...

Musterhaus auch Musterbeispiel

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Man muss auch mal Glück haben. Man - das sind in diesem Fall die Wanfrieder und ihre Bürgergruppe zum Erhalt alter Häuser.
Denn die profitierte vom Reichensächser Scheitern der Obermühle und davon, dass Eschwege zwar die Idee für ein Musterhaus hatte, aber dann doch nicht wollte.
In Wanfried zeigt sich, dass alle dieses Haus wollen, parteiübergreifend, zum Wohle der Stadt, ihrer Bürger und nicht zuletzt der heimischen Handwerker. Denn die werden richtig heiß sein auf die Ausschreibung des Projekts, was sich positiv auf die Gesamtkosten und damit auch auf die Belastung der Stadtkasse bemerkbar machen dürfte. Denn mehr Werbung in eigener Sache kann ein Handwerker nicht machen, als an der Fertigstellung des bisher einzigen Musterhauses im Kreis beteiligt zu sein.
Forsch forderte Gebhard in der ,Bürgermeister-Runde' "Wir haben die Bürgergruppe und ein Konzept, das Haus gehört nach Wanfried". Ohne die freigewordenen Fördergelder der Obermühle hätte er diesen Vorstoß nicht gewagt, aber Kistners Pech in Reichensachsen, der sich vehement für das Projekt Obermühle einsetzte, ist jetzt das Glück seines Wanfrieder Amtskollegen.
Alles nur am Glück fest zu machen, wird der Sache aber nicht gerecht. Denn in erster Linie wird das Musterhaus durch das vorbildhafte, ehrenamtliche Engagement der Bürgergruppe und Gebhards Vermarktungsstrategie möglich. Daher war Gebhards Forderung, das Haus nach Wanfried zu holen, nur ein weiterer Baustein der Wanfrieder Häuserver-marktung.
Selbstbewusstses Auftreten gehört eben dazu, wenn man vorwärts kommen will. Daher ist das Musterhaus auch ein Musterbeispiel, wie es gehen kann, wenn sich Bürger engagieren und einbringen in ihrer Stadt. Dann darf man auch mal Glück haben - in diesem Fall das Glück der Tüchtigen.

 

Quelle: Marktspiegel vom 05.05.2009 Lars WINTER

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